Ästhetik am Isartor
Editorial-Stillleben — weiche Seidenfalte und mattes Glasfläschchen auf anthrazitfarbenem Leinen

Journal20. Juni 2021

Falten mit Eigenfett unterspritzen

Eigenfett-Transfer — fachsprachlich autologes Fat Grafting — ist die Alternative zu Hyaluronsäure-Filler bei tiefen Volumen­verlusten und konturierenden Indikationen im Gesicht oder an der Brust. Verwendet wird ausschließlich körper­eigenes Fettgewebe; Fremd­stoffe entfallen. Der Eingriff ist aufwändiger als eine Filler-Behandlung — er erfolgt mit Aspiration aus einem Spender­areal, Aufbereitung und Mikro-Injektion. Das Ergebnis ist nach erfolgreicher Annahme dauerhaft. In diesem Beitrag erklären wir Verfahren, realistische Erwartungen und in welchen Situationen Eigenfett anderen Verfahren überlegen ist.

Was ist Eigenfett-Transfer?

Beim Eigenfett-Transfer (autologes Fat Grafting, Lipofilling) wird körper­eigenes Fett aus einem Spender­areal mit feinen Kanülen aspiriert, behutsam aufbereitet und an mehreren Mikro-Depots in das Ziel­areal injiziert. Das Verfahren geht in seiner heutigen Form auf die Coleman-Technik zurück und ist in der plastischen Chirurgie seit Jahrzehnten klinisch etabliert.

Im Gegensatz zu Hyaluronsäure-Filler kommt kein Fremd­stoff zum Einsatz — das transplantierte Fett ist genetisch und immunologisch identisch mit dem Empfänger­gewebe. Allergische Reaktionen sind ausgeschlossen, biokompatibel ist es per Definition. Bei erfolgreicher Vaskularisation überleben die Fett­zellen dauerhaft.

Wie der Eingriff abläuft

Der Eingriff erfolgt in drei Schritten: Erstens die {Aspiration}: Spender­areal ist typischer­weise Bauch, Hüfte, Innenschenkel oder Reiterhose; mit feinen Liposuktions-Kanülen (Durch­messer 2–3 mm) wird unter geringem Unterdruck Fett­gewebe schonend gewonnen. Zweitens die {Aufbereitung}: das Aspirat wird filtriert oder behutsam zentrifugiert, sodass intakte Fett­zellen von Blut, Anästhesie­lösung und beschädigten Zellen getrennt werden. Drittens die {Mikro-Injektion}: das gereinigte Fett wird mit sehr feinen Kanülen in viele kleine Depots im Ziel­areal verteilt — entscheidend für die Einwachs­rate ist die kleine Depot­größe, weil jede Fett­zelle eine eigene Blut­versorgung aufbauen muss.

Je nach Volumen und Lokalisation dauert der Eingriff zwischen 60 und 180 Minuten und wird in lokaler Betäubung, Dämmerschlaf oder Vollnarkose durchgeführt — die Anästhesie­wahl besprechen wir im Erstgespräch (100 €).

Detailaufnahme — ein Tropfen cremefarbener Flüssigkeit neben einem matten Glasfläschchen auf anthrazitfarbenem Leinen
Körpereigenes Material: Was nach erfolgreicher Annahme einwächst, bleibt dauerhaft.

Vorteile gegenüber Hyaluronsäure-Filler

Eigenfett ist körper­eigen — keine Fremd­stoffe, keine Allergie-Möglich­keit, keine zugelassenen Wirk­stoff-Höchstmengen wie bei injizierbaren Präparaten. Bei guter Annahme ist das Ergebnis dauerhaft; Hyaluron resorbiert nach 6 bis 18 Monaten und erfordert regelmäßige Auffrischungen.

Außerdem ergibt sich ein {Doppel­nutzen}: das Spender­areal — meist eine Region, an der ein moderater Fett­überschuss besteht — wird gleichzeitig konturiert. Bei kombinierten Indikationen (Wangen aufbauen + Hüften reduzieren) lässt sich beides in einer Sitzung erreichen.

Eigenfett ist außerdem {ergiebig}: in einer Sitzung können mehrere Areale behandelt werden, was bei reinen Filler-Behandlungen aufgrund der Wirk­stoff-Höchst­mengen oft mehrere Termine erfordert.

Resorptionsrate — realistische Erwartung

Eine {Resorptions­rate von 30 bis 50 Prozent} ist typisch: nicht jede transplantierte Fett­zelle baut innerhalb der kritischen ersten 7 bis 14 Tage eine eigene Blut­versorgung auf. Was nicht einwächst, baut der Körper über die folgenden Wochen ab. Was einwächst, bleibt dauerhaft.

Wir planen die initiale Volumen­menge entsprechend mit einer {Über­korrektur}: 30 bis 50 Prozent mehr Fett als das gewünschte End­volumen, weil ein Teil resorbiert. Das End­ergebnis stabilisiert sich nach drei bis sechs Monaten und ist anschließend nicht mehr volumen­variabel — die noch vorhandenen Fett­zellen verhalten sich genauso wie der Rest des Körper­fetts (sie verändern Volumen bei starker Gewichts­zunahme oder -abnahme, aber bauen sich nicht spontan ab).

Bei manchen Patient:innen ist nach 3 bis 6 Monaten eine {zweite Sitzung} sinnvoll, um die finale Kontur zu erreichen — besonders bei größeren Volumen­zielen wie der Eigenfett-Brust­vergrößerung.

Wo Eigenfett-Transfer eingesetzt wird

Im {Gesicht}: Wangen (Wangen­knochen-Hervor­hebung und Mittel­gesichts-Volumen), Schläfen (alters­bedingte Eintiefung), Tränen­rinne (sehr selektive Indikation — feine Hand­führung erforderlich), Kinn (Konturierung), Lippen (Volumen­aufbau mit körper­eigenem Material statt Hyaluron). Eigenfett im Gesicht eignet sich besonders für Patient:innen, die das Fremd­stoff-Konzept des Hyaluron-Fillers grundsätzlich ablehnen.

An der {Brust}: Eigenfett-Brust­vergrößerung als Alternative zu Implantaten — narben­sparend, körper­eigen, etwa eine halbe Cup-Größe Volumen­zuwachs pro Sitzung. Auch zur Konturierung nach Brust­operationen oder zum sub­tilen Volumen­ausgleich bei Asymmetrien.

Am {Körper}: nach einer Liposuktion kann Eigenfett zur Konturierung benachbarter Areale verwendet werden — z. B. zur Verfeinerung der Po-Form oder zur Korrektur kleiner Dellen nach Trauma oder Vor-OP.

Wann Eigenfett-Transfer NICHT sinnvoll ist

Bei {sehr schlanken Patient:innen} ohne ausreichendes Spender­areal — wenn der BMI unter 19 liegt oder kein moderater Fett­polster vorhanden ist, fehlt das Ausgangs­material. Hier ist Hyaluronsäure oft die bessere Wahl.

Bei {sehr dünner Haut über knöchernen Strukturen} (z. B. Stirn) ist die Kontur­führung mit Eigenfett schwieriger als mit Hyaluron, weil sich die Mikro-Depots durch die dünne Haut palpieren lassen. Hier bevorzugen wir oft Hyaluron oder eine Kombination.

Bei {fortgeschrittener Haut­erschlaffung} im Gesicht ist Volumen­aufbau allein nicht ausreichend — hier ist ein {Facelift in SMAS-Technik} der eigentliche Eingriff. Eigenfett kann ergänzend Mittel­gesichts-Volumen aufbauen, ersetzt aber nicht die Straffung der erschlafften Strukturen.

Erholung und Resultat

Nach dem Eingriff sind {beide Areale} — Spender und Empfänger — für 7 bis 14 Tage geschwollen. Im Spender­areal ist die Schwellung wie nach einer kleinen Liposuktion: blau-grünliche Verfärbung, Druck­empfindlichkeit, Kompression über 2 bis 4 Wochen. Im Empfänger­areal — typischer­weise im Gesicht — ist die Schwellung ein gewünschter Teil des Heilungs­prozesses: das Volumen wirkt anfangs deutlich größer als das End­ergebnis.

Soziale Erholung 1 bis 2 Wochen; sichtbare blaue Flecken nach 10 bis 14 Tagen abgeklungen. Sport-Wieder­aufnahme nach 4 Wochen. Endgültige Beurteilung des Ergebnisses nach {3 bis 6 Monaten}, wenn die Resorption abgeschlossen ist.

Häufige Fragen

Was kostet Eigenfett-Transfer? Die Kosten hängen vom Volumen, der Anzahl der Areale und dem Anästhesie-Umfang ab und werden im persönlichen Erst­gespräch (100 €) konkret kalkuliert. Alle Preise sind Ab-Preise, netto, zzgl. 19 % USt; Klinik­gebühren werden separat ausgewiesen.

Wie lange dauert das End­ergebnis? Bei erfolgreicher Annahme {dauerhaft} — die einge­wachsenen Fett­zellen verhalten sich wie der übrige Körper­fett-Bestand. Hyaluron im Vergleich hält 6 bis 18 Monate.

Brauche ich eine zweite Sitzung? In etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle ist nach 3 bis 6 Monaten eine zweite Sitzung sinnvoll, um die Ziel­kontur zu erreichen — besonders bei größeren Volumen­zielen wie der Eigenfett-Brust­vergrößerung. Bei reinen Gesichts-Indikationen genügt meist eine Sitzung.

Eigenfett oder Hyaluronsäure — welche Methode ist besser? Es kommt auf die Indikation an. Hyaluron ist erste Wahl bei punktuellen Volumen­indikationen, sehr feinen Linien, bei sehr schlanken Patient:innen und wenn ein {reversibles} Ergebnis gewünscht ist (Hyaluron lässt sich mit Hyaluronidase auflösen, Eigenfett nicht). Eigenfett ist erste Wahl bei größeren Volumen­indikationen, bei Wunsch nach körper­eigenem Material und wenn ein dauerhaftes Ergebnis das Ziel ist.

Welche Erfahrungen gibt es mit Eigenfett im Gesicht? Patient:innen berichten typischer­weise von einem natürlich wirkenden Volumen­aufbau ohne das „Filler-Gefühl“ — die behandelten Areale fühlen sich an wie körper­eigenes Gewebe, weil sie es nach erfolgreicher Annahme auch sind. Die initiale Über­korrektur kann in den ersten Wochen zu „voll“ wirken; das ist erwünscht und stabilisiert sich nach 3 bis 6 Monaten zum End­volumen.

Weiterführend

Hyaluron-Behandlung — Praxis Ästhetik am Isartor München

Hyaluronsäure-Behandlung — Detail

Behandlung ansehen
kontaktisartorplatz

erstgespräch

Im Gespräch klären wir, was möglich ist — und was nicht. Persönlich am Isartorplatz, in Ruhe, ohne Verkaufsdruck.

Dr. Fabian Weinschenk, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, in der Praxis Ästhetik am Isartor am Isartorplatz München
münchen · MMXXVI

Dr. Fabian Weinschenk
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie