Ästhetik am Isartor
Editorial-Stillleben — feiner bone-farbener Faden auf einer Spule mit Stoffmuster auf anthrazitfarbenem Leinen

Journal10. April 2021

Selbstauflösende Fäden — Wundversorgung ohne Fäden ziehen

Bei den meisten plastisch-chirurgischen Eingriffen verwenden wir heute selbst­auflösende Fäden — der klassische Faden­zug-Termin entfällt. Das ist nicht nur eine Komfort­frage; das verwendete Naht­material beeinflusst auch das endgültige Narbenbild, die Wundheilung in den ersten Wochen und die Anzahl der Nach­sorge­termine. Wir erklären, welche Materialien wir einsetzen, wann selbst­auflösende Fäden sinnvoll sind und wann wir bewusst auf klassische, nicht-resorbierbare Fäden zurück­greifen.

Was sind selbstauflösende Fäden?

Resorbierbare (selbst­auflösende) Nahtmaterialien sind synthetisch hergestellte Polymer-Fäden, die der Körper über Wochen bis Monate hinweg enzymatisch und durch Hydrolyse abbaut. Es ist kein nachträglicher Faden­zug nötig — die Naht hält das Gewebe so lange zusammen, wie es zum sicheren Wundverschluss erforderlich ist, und löst sich anschließend rückstandslos auf.

Im Gegensatz dazu bleiben nicht-resorbierbare Fäden (z. B. Polypropylen, Nylon, Seide) dauerhaft im Gewebe und müssen — bei Hautoberflächen­nähten — nach 5 bis 14 Tagen vom Arzt entfernt werden. Beide Material­klassen haben Indikationen; die Wahl ist immer eine ärztliche Einzel­fall­entscheidung abhängig von Schnittführung, Gewebs­spannung und ästhetischem Ziel.

Welche Materialien wir verwenden

Wir setzen primär drei Material­klassen ein, jeweils nach Indikation: Polyglactin 910 (Markenname z. B. Vicryl) für tiefere, schichtweise Nähte mit einer Resorptions­zeit von rund 60 bis 90 Tagen. Poliglecaprone 25 (Monocryl) für intra­kutane Hauptnähte direkt unter der Hautoberfläche, mit einer feineren Faden­stärke und einer Resorptions­zeit von rund 90 bis 120 Tagen — das ist unser Standard für unauffällige Narben­führung bei Bauch­straffung, Brust­straffung und Facelift. Polydioxanon (PDS) für besonders zugbelastete Schichten (z. B. tiefe Faszien­nähte), das mit rund 180 bis 220 Tagen die längste Reiß­festigkeit unter den gängigen resorbier­baren Materialien hat.

Alle drei Materialien sind seit Jahrzehnten klinisch etabliert, biokompatibel und werden in Mikro­chirurgie und plastischer Chirurgie weltweit eingesetzt. Eine Allergie auf das eigentliche Material ist sehr selten; falls sie auftritt, ist sie reversibel und gut behandelbar.

Detailaufnahme — ein feiner bone-farbener Faden mit lockerem Knoten auf anthrazitfarbenem Leinen
Die Naht trägt genau so lange, wie das Gewebe Unterstützung braucht — und löst sich dann auf.

Wie sehen selbstauflösende Fäden aus? Farben und Erkennungsmerkmale

Selbst­auflösende Fäden sind je nach Material gefärbt oder farblos: Polyglactin 910 (Vicryl) ist typischer­weise violett eingefärbt, damit es im OP-Feld gut sichtbar bleibt — es gibt aber auch eine ungefärbte, beige Variante. Poliglecaprone 25 (Monocryl) ist meist farblos-transparent mit einem leichten Schimmer; Polydioxanon (PDS) ist violett oder klar. Die Faden­stärke liegt bei Haut­nähten im Bereich von Zehntel­millimetern — deutlich feiner als ein Nähgarn.

An der Haut­oberfläche sehen Sie von einer versenkten, intra­kutanen Naht in der Regel gar nichts — sie verläuft vollständig unter der Haut­oberfläche. Sichtbar sind höchstens kurze Faden­enden an den Ansatz­punkten, die wie feine helle oder violette Härchen wirken, oder ein kleiner Knoten, der in den ersten Wochen tastbar sein kann. Beides ist normal und verschwindet mit der Resorption von selbst.

Wundheilung — was wann passiert

Die Wundheilung läuft in vier ineinander übergehenden Phasen ab: Exsudations­phase (Tag 1–3) mit Wund­verschluss und entzündungs­bedingter Schwellung; Granulations­phase (Tag 4–21) mit dem Auf­bau neuen Gewebes; Epithelisierungs­phase (Tag 7–28) mit dem Schluss der äußersten Hautschicht; und Maturations­phase (Monat 1–12) mit dem schrittweisen Umbau der Narbe — Rötung verblasst, das Gewebe wird weicher.

Resorbierbare Fäden begleiten diese Phasen: In der frühen Heilung (Wochen 1–3) halten sie das Gewebe sicher zusammen. Ab Woche 3 bis 6 nimmt die Reiß­festigkeit des Materials sukzessive ab — synchron zur natürlich wachsenden Eigen­festigkeit der heilenden Wunde. Bis Monat 2 bis 6 ist das Material vollständig resorbiert. Das ist klinisch entscheidend: Die Naht trägt genau so lange, wie das Gewebe Unter­stützung braucht.

Während der Resorption ist normalerweise nichts spürbar. Selten kann ein kleiner Knoten an der Hautoberfläche kurz tastbar sein, bis er sich auflöst — das ist harmlos und löst sich von selbst.

Was tun, wenn ein Faden herausschaut oder sich nicht auflöst?

Schaut ein Faden­ende aus der Haut oder löst sich ein Faden spürbar später auf als erwartet, gilt zuerst: nicht selbst ziehen, nicht abschneiden, nicht daran manipulieren. Ein heraus­stehendes Ende einer versenkten Naht kann mit tieferen Naht­schichten verbunden sein — Zug daran kann die Wunde irritieren oder die Naht­führung stören. Das Kürzen oder Entfernen übernimmt die behandelnde Praxis; das dauert wenige Sekunden und ist in aller Regel schmerzarm.

Relativ häufig und harmlos ist das sogenannte Faden­ausstoßen (englisch „spitting suture“): Der Körper schiebt einen Knoten des resorbier­baren Materials Richtung Haut­oberfläche, statt ihn vollständig abzubauen. Es zeigt sich als kleiner heller Punkt oder tastbares Körnchen entlang der Narbe, manchmal Wochen bis Monate nach dem Eingriff. Auch ein einge­wachsen wirkender Faden­rest in der Narbe ist meist ein solches Resorptions­phänomen und keine Komplikation.

Ärztlich ansehen lassen sollten Sie die Stelle, wenn Rötung, zunehmende Schwellung, Schmerz, Über­wärmung oder Sekret hinzu­kommen — das kann auf eine lokale Entzündung oder ein Faden­granulom hindeuten, das behandelt werden sollte. Gleiches gilt, wenn ein Faden nach deutlich über­schrittener Resorptions­zeit (je nach Material 2 bis 7 Monate) unverändert vorhanden ist. Für Patient:innen unserer Praxis: Melden Sie sich einfach kurz — die Kontrolle gehört zur Nachsorge und ist unkompliziert.

Komfort und Narbenbild im Vergleich

Aus Patient:innen-Sicht ist der größte Unterschied der Wegfall des Faden­zug-Termins. Bei großen Eingriffen wie Bauch­straffung oder Brust­straffung würden klassische Fäden mehrere Faden­zug-Termine über 1 bis 2 Wochen erfordern — mit resorbier­baren Fäden reduziert sich die Nachsorge auf reine Wund­kontrolle.

Beim Narbenbild zeigt sich der Unterschied an der intra­kutanen Naht: Eine versenkte, selbst­auflösende Naht setzt keine Stich­kanäle an der Hautoberfläche und vermeidet das gefürchtete „Eisenbahn­schwellen­muster“, das bei oberflächlich gestochenen Einzelknopf­nähten entstehen kann. Das Endergebnis ist typischer­weise eine strich­fein hellrosa und nach 6 bis 12 Monaten eine kaum sicht­bare reife Narbe.

Wichtig: Das Naht­material allein bestimmt nicht die Narbe. Schnittführung entlang der Spannungs­linien, sorg­fältige Subkutan­adaptation, spannungs­freier Wund­verschluss, Nikotin-Karenz und konsequente Narben­pflege in den ersten 6 Monaten sind die größeren Hebel.

Wann wir doch klassische Fäden verwenden

An mechanisch stark beanspruchten oder sehr feinen Haut­regionen verwenden wir bewusst nicht-resorbierbare Fäden mit klassischem Faden­zug — typisch sind Augen­lider (Ober­lid- und Unter­lid­straffung) sowie Lippen­regionen (Bullhorn-Lift). Dort ergeben sehr feine 6/0 oder 7/0 Polypropylen-Fäden die feinste Narbe, weil das dünne Faden­material die Haut beim Einstich kaum traumatisiert und der gezielte Zug nach 5 bis 7 Tagen die Narbe glatt verschließt.

Auch bei Patient:innen mit erhöhtem Risiko für hyper­trophe Narben oder Keloide kann eine kürzere äußere Naht­zeit mit klassischen Fäden vorteilhaft sein — wir entscheiden das im Erstgespräch (100 €) gemeinsam mit Ihnen.

Bei welchen Behandlungen wir resorbierbare Fäden verwenden

In unserer Praxis kommen selbst­auflösende Fäden routinemäßig bei der Bauch­straffung, der Brust­straffung, der Brust­vergrößerung mit Implantaten oder Eigen­fett, der Brust­verkleinerung, dem Facelift in SMAS-Technik, der Oberarm- und Oberschenkel­straffung sowie der Renuvion®-Hautstraffung zum Einsatz — überall dort, wo eine versenkte, mehrschichtige Naht­führung das Narben­bild verbessert.

Bei der Ober­lid- und Unter­lid­straffung, beim Bullhorn-Lift und bei der Bichektomie verwenden wir je nach Schnitt­führung und Lokalisation entweder resorbier­bare oder feinste nicht-resorbierbare Fäden — die Wahl besprechen wir mit Ihnen im OP-Aufklärungs­gespräch.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich die Fäden vollständig auflösen? Material­abhängig zwischen 60 und 220 Tagen. Monocryl und Vicryl resorbieren in 2–4 Monaten; PDS in bis zu 7 Monaten. Klinisch relevant ist nicht die Voll­auflösung, sondern der Punkt, an dem die Reiß­festigkeit unter die der heilenden Wunde fällt — das ist nach 3 bis 6 Wochen.

Spürt man die Fäden während sie sich auflösen? In der Regel nicht. Sehr selten ist ein kleiner Knoten kurz tastbar — er löst sich innerhalb weniger Wochen von selbst. Schmerzen oder Rötung sind nicht zu erwarten; falls doch, melden Sie sich bitte.

Was passiert, wenn ich auf das Material allergisch reagiere? Allergische Reaktionen auf moderne synthetische Naht­materialien sind sehr selten. Falls sie auftreten (lokale Rötung, Juckreiz, Wund­heilungs­störung), klingen sie nach der Resorption von selbst ab und sind gut behandelbar. Bei bekannter Naht­material­allergie informieren Sie uns bitte vor dem Eingriff.

Können sich resorbierbare Fäden vorzeitig auflösen? Bei bestimmungs­gemäßer Anwendung nicht. Die Resorption ist material­spezifisch und vorhersehbar; wir wählen das Material so, dass die Reiß­festigkeit deutlich länger anhält, als die Wunde mechanische Unter­stützung benötigt.

Kann man das Auflösen der Fäden beschleunigen? Nein — die Resorption läuft über Hydrolyse und ist eine feste Material­eigenschaft, die sich weder durch Wärme, Salben noch Haus­mittel relevant beeinflussen lässt. Davon abzuraten ist auch aktives Manipulieren an Faden­enden: Es riskiert Wund­heilungs­störungen. Stört ein tastbarer Knoten oder ein Faden­ende, kürzt oder entfernt die Praxis den Rest in wenigen Sekunden.

Ist die Narben­heilung mit resorbier­baren Fäden gleich­wertig zu klassischen Fäden? In aller Regel ja — bei intra­kutanen Nähten ist sie typischer­weise sogar überlegen. An sehr feinen Haut­regionen (Augenlid, Lippe) ergibt der klassische 5- bis 7-Tage-Faden­zug die feinere Narbe, weshalb wir dort gezielt nicht-resorbierbare Materialien wählen.

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Im Gespräch klären wir, was möglich ist — und was nicht. Persönlich am Isartorplatz, in Ruhe, ohne Verkaufsdruck.

Dr. Fabian Weinschenk, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, in der Praxis Ästhetik am Isartor am Isartorplatz München
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Dr. Fabian Weinschenk
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie